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6.700 benannte Inseln und noch schlappe 20.000 ohne Namen, das sind die Åland-Inseln im Schärenmeer zwischen Finnland und Schweden. Politisch gehören sie zu Finnland, gesprochen wird aber schwedisch, so hat jeder was davon (finnisch als Zweitsprache wird immerhin geduldet!). Ich habe die Inseln der Ostsee auf einer Fahrradtour, die ich über Feelgood Reisen gebucht habe, erkundet. Gut, in Wahrheit nicht alle Inseln, aber einen kleinen Teil davon. Etwa 240 Kilometer habe ich zurückgelegt, entspannte Etappen mit ausreichend Zeit auch mal rechts und links zu gucken und die Landschaft zu erkunden und zu genießen.

Der Blick in Landschaft der Åland Inseln ist bezaubernd

Wie kommt man da bloß hin?

Start meiner Fahrradtour war in der finnischen Hafenstadt Naantali. Mit der Bahn ging es nach Stockholm und von dort mit der Fähre nach Turku, von wo aus es nur noch 15 Kilometer nach Naantali sind, die man problemlos mit dem Linienbus fahren kann. Wer es nicht so mit Slow Travel hat, kann aber auch einfach nach Helsinki fliegen und dann von dort mit Bus und/oder Bahn nach Naantali weiter reisen. Am günstigsten ist es mit dem Bus in knapp 3 Stunden; wer sich ein Auto mietet, schafft die 180 Kilometer in ungefähr  zwei Stunden. Als dritte Option kann man natürlich noch mit der Fähre (www.finnlines.com) von Travemünde nach Helsinki fahren.

Nach einer Übernachtung in Naantali konnte ich dann am nächsten Morgen am Hotel mein Leihfahrrad in Empfang nehmen, das Feelgood Reisen für mich gebucht hatte. Ein eigenes Rad mitnehmen kann man nur, wenn man mit der Fähre anreist. Das Fahrrad war einwandfrei, dazu wurden mir noch Streckenbeschreibungen und Flickzeug für den Notfall mitgegeben. Mein Gepäck wurde mir immer von Unterkunft zu Unterkunft gebracht, nur packen musste ich noch selber, der Rest wurde für mich erledigt. :-) Ich war startklar!

Die Uferpromenade von Naantali

Auf den Sattel und los

1. Naantali - Kustavi

Mein erstes Etappenziel aus Naantali raus war erstmal die Fähre in Teersalo, die mich nach Hakkenpäa bringen sollte: eine Strecke von 35 Kilometern für die ich etwa 2 Stunden gebraucht habe.

Die Herausforderung, die Fähre um 15 Uhr zu erwischen (denn sie fährt nur einmal am Tag diese Route!) sollte daher jeder problemlos bewältigen. Aber lieber nicht zu viel bummeln, man weiß ja nie. „Zum Glück“ gibt es auf dieser Strecke auch gar nicht viel zu sehen für das man anhalten müsste, sondern man kann einfach die Landschaft genießen und sich warm fahren. Ideal für den Einstieg. Nach 45 Minuten Überfahrt hieß es dann nochmal 25 Kilometer auf den Sattel und ab nach Kustavi. Jetzt war ich richtig „angekommen“ im Radfahrmodus und checkte in meiner Unterkunft ein. Das Gepäck war selbstverständlich vor mir da. Zauberei? Ich gönnte mir eine heiße Dusche und stärkte mich im Hotel-Restaurant mit Blick auf die Marina. Wie ich es für Finnland erwartet hatte, gab es natürlich auch eine Hotel-Sauna, in dem Fall mit der Besonderheit, dass man zum Abkühlen direkt ins Hafenbecken springen konnte. Genial! Ich war jedoch mit mir in dem Moment schon so zufrieden und bettschwer, dass ich mich für die Variante kühles Bier und Schiffe gucken entschied und mich dann selig ins Bett verkrümelte.


2. Kustavi - Lappo

Mein zweiter Radeltag wartete auf mich und vor mir lagen 50 Kilometer auf der „Piste“ inklusive zwei Fährüberfahrten. Ich sag’s ja, Inselhopping ist hier wörtlich zu nehmen. Kaum bist Du drauf, bist Du auch schon wieder durch und hüpfst auf die nächste. Ganz wichtig ist es daher sich die Fährzeiten gut zu notieren, denn im 30-Minuten-Takt fährt hier gar nichts. Highlight des Tages war definitiv die Insel Brändö, auf der man rund 30 Kilometer fährt und die immer wieder tolle Ausblicke aufs Meer bietet. Allein Brändö besteht schon aus Tausenden von Inselchen, die ein wahres Anglerparadies sind. Ich genoss zwischendurch immer wieder die tolle Natur und nahm die letzte Fähre nach Lappo, von dessen Anleger es dann nur noch ein paar hundert Meter ins „Gästhem“ waren. Check-in! Wer etwas eher ankommt, für den lohnt sich auf jeden Fall noch ein Besuch im kleinen maritimen Museum am Hafen.

Fahrt über Brändö

3. Kustavi - Kastelholm

Am nächsten Morgen geht es direkt auf die Fähre, die mich in zwei Stunden zur Hauptinsel von Åland bringt, wo ich dann die nächsten drei Tage unterwegs sein werde. Die Insel ist groß genug, um jeden Tag zwischen 25 und 50 Kilometer zu fahren und bietet genug Möglichkeiten für einen Stopp unterwegs: Als erstes komme ich auf meinem Weg nach Godby an der Festungsruine Bomarsund vorbei.

Das russische Bauwerk ist nicht nur gigantisch anzusehen, es erlangte als größte Fehlkonstruktion in der Geschichte des Festungsbaus traurige Berühmtheit. (Kleiner Exkurs: Anfang des 19. Jahrhunderts verlor Schweden Finnland und Åland an Russland. Da die Russen den Verdacht hegten, die Schweden könnten sich möglicherweise rächen, wollten sie sich vor einem potenziellen Angriff schützen und begannen 1830 mit dem Bau der Festung Bomarsund. Aus ganz Russland kamen Bauarbeiter ins Land, denn es sollte die schönste Festung aller Zeiten mit 14 Türmen werden und einer Besatzung von über 100 Soldaten. Doch als gerade mal drei Türme fertig waren funkte ihnen der Krimkrieg dazwischen, der sich mittlerweile auch auf Nordeuropa ausgeweitet hatte. 1854 wurde die Festung sodann von einer Anglo-französischen Flotte zerstört, was im halbfertigen Zustand ein leichtes war. Und das, obwohl die Russen schon über 20 Jahre dann gebaut hatten. Ein Wiederaufbau wurde verboten: Die Åland Convention aus dem Jahr 1856 zwischen Russland, Großbritannien und Frankreich untersagte die Errichtung von Befestigungsanlagen und Marinestützpunkten sowie die Stationierung von Truppen auf den Inseln. Diese Vereinbarung war Teil des Pariser Friedens.)

So, nun aber genug Geschichtsunterricht! ;-) Heute sind die Ruinen eine Touristenattraktion und man kann eine tolle Aussicht vom Notviksturm genießen.

Weiter geht es für mich nach Sund, wo man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt. Das burgartige Schloß Kastelholm, umgeben von einem Wassergraben, gehört zu den ältesten Bauwerken der Insel. In einem Flügel des Schlosses befindet sich das Kulturhistorische Museum der schwedischsprachigen Åland Inseln.

In direkter Nachbarschaft liegt das Freilichtmuseum Jan Karlsgården, das einen typischen åländischen Bauernhof Ende des 19. Jahrhunderts nachstellt. Jeden Mittwoch kann man dort von 11-16 Uhr den Handwerkern zuschauen, wie früher gearbeitet wurde und auch selber ausprobieren, wie man beispielsweise Seile dreht oder Dachschindeln schnitzt (kostenloser Eintritt!).

In Kastelholm bin ich damit auch am Ziel meiner Tagesetappe angelangt, mache mich kurz frisch und freue mich dann noch auf ein kulinarisches Highlight im Gourmetdorf Smakbyn. In der Nähe des Schlosses und mit Blick auf das Freilichtmuseum befinden sich unter anderem ein Restaurant, eine Brennerei und ein Ladenlokal unter einem Dach, serviert wird  åländische und skandinavische Küche aus regionalen Waren wie Hecht, Lamm und Äpfeln. Betrieben wird der Laden von Michael Björklund, der in Schweden und Finnland Koch des Jahres war und auch als Fernsehkoch bekannt ist, und seiner Frau Jenny. Die Karte ist klein aber fein, die Portionen aber absolut ausreichend. Kein Gruß aus der Küche, nein, Gerichte zum satt werden. In der eigenen Brennerei wird Schnaps aus verschiedenen Obstsorten gebrannt, man kann an einer Führung und Verkostung teilnehmen und sogar Kochkurse bietet der Starkoch an. Wer gute, saisonale Küche liebt, muss hier unbedingt einmal einkehren. Geplant ist zudem die Eröffnung eines eigenen Hotels und einer Räucherei.

Fahrradfahren vor Schloss Kastelholm

4. Kastelholm - Havsvidden

Heute mache ich mich auf den Weg nach Havsvidden ganz im Norden: wer die Einsamkeit liebt, kommt auf diesem Streckenabschnitt echt auf seine Kosten. Wälder und Wiesen wechseln sich ab und ich spüre förmlich, wie ich ganz beseelt und sorgenfrei durch die Lande fahre. Nichts, was meine Gedanken stören könnte. Trotzdem freue ich mich über einen Lunch-Stopp an der Brauerei Stallhagen bei Godby. Hier werden die åländischen Biersorten wie z. B. Stallhagen Delikat und Baltic Porter gebraut und gut zu Mittag essen kann man dort auch. (http://www.stallhagen.com). Anschließend geht es gen Norden an die Spitze der Insel; ich lasse Wald und Wiese hinter mir und werde in Havsvidden mit einem freien sensationellen Blick auf die Klippen und das Meer belohnt. Gut 30 Kilometer bin ich gefahren und nach einem Gang in die Hotel-Sauna an der Marina springe ich erholt in den Meerwasserpool. Auf den Felsen am Meer finde ich dann schnell den perfekten Platz für das letzte Schauspiel des Tages: der Sonnenuntergang. Hyvää iltaa (das war finnisch: Gute Nacht.)

5. Havsvidden - Mariehamn

Am nächsten Tag habe ich ein wenig Strecke vor mir, denn ich überquere einmal die Insel von Nord nach Süd. Mein Ziel: die kleine Hauptstadt Mariehamn, rund 50 Kilometer entfernt. Den ersten Teil der Strecke kenne ich schon vom Vortag, also trete ich einfach in die Pedale und mache lediglich einen kleinen Stopp in Godby, um mich im Supermarkt mit Proviant einzudecken. Anschließend suche ich mir ein lauschiges Plätzchen im Grünen und genieße ein Picknick - Weltklasse, diese einfachen Dinge. Dann nehme ich die letzten Kilometer nach Mariehamn unter die Räder. Das Städtchen mit seinen etwa 11.500 Einwohnern ist die einzige Stadt auf den Inseln und punktet dafür stolz mit zwei Häfen. Am Westhafen, wo die großen Kreuzfahrer anlegen, liegt das Maritime Museum und auch das Segelschiff Pommern hat dort seinen Heimathafen. Am Osthafen hingegen gibt es mehr Historisches zu bewundern wie zum Beispiel alte Bootsmotoren, der Bau eines Holzschiffes oder eine Silberschmiede. Im Ort bummelt man gemütlich die Norra Esplanadgatan entlang, für die man sich ruhig Zeit lassen kann, denn nach knapp einem Kilometer ist man schon am anderen Ende angelangt. Die Architektur der alten Holzvillen und Kontore der Reeder sind aber sehr schmuck und charmant anzuschauen und man sollte sicherlich ein paar Stunden für Mariehamn einplanen. Ein bisschen Schiffe gucken, Fotos machen und in einem typischen roten, renovierten Backsteinbau im Indigo skandinavische Küche genießen (http://www.indigo.ax/english). Perfekt!

Der Hafen von Mariehamn

6. Mariehamn - Stockholm

Im Mariehamn gibt es zwei Möglichkeiten: entweder nimmt man das Schiff nach Osten nach Turku und beendet dort die Reise oder man nimmt das Schiff nach Westen und fährt nach Stockholm. Dafür habe ich mich entschieden, damit ich von Stockholm mit der Bahn nach Hause fahren kann.

Abschied nehmen! In Mariehamn gebe ich mein Fahrrad wieder ab, was mich auf dem ganzen Weg zuverlässig und pannenfrei begleitet hat und gönne mir den direkten Seeweg nach Stockholm. Dort bleibe ich noch eine Nacht, was nach der ländlichen Idylle auf meiner Tour durch Åland einem Kulturschock gleicht, wenn auch einem sehr schönen! Da ich schonmal in Stockholm war, finde ich mich sofort zurecht und verbringe einen entspannten Nachmittag und Abend dort. Am nächsten Tag sitze ich im Zug nach Hamburg, vollkommen erholt, mit viel frischer Luft in den Lungen und der Erkenntnis, dass es nicht viel braucht, um zufrieden zu sein. Wer den Norden liebt, das Wasser und Bewegung und den Wind nicht scheut, für den ist Finnland ein tolle Fahrraddestination. Hobbyradler und auch Sprinter kommen hier auf ihre Kosten, ab und zu mal ein paar leichte Anstiege, das war’s auch schon. Jeder kann dort in seinem Tempo auf den Straßen radeln, da wenig Autoverkehr herrscht und es sehr schöne gut befahrbare Nebenstrecken gibt. Hei hei!

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