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Wenn sich der Himmel bunt färbt und grüne oder rote oder weiße Lichter über das Firmament wabern, dann ist die Stimmung magisch. Mythen ranken sich um das Polarlicht, obwohl es nur um Physik geht.

Darf ich das so sagen? Mir sind die Sonnenwinde gerade völlig schnuppe. Ich freue mich am Schauspiel der Protonen und Elektronen am Himmelszelt. Aber was genau da passiert, kann ich später nachschauen. Jetzt bin ich nur völlig fasziniert von dem, was da über uns passiert. Schon am ersten Abend in Lappland hatten wir ein kleines Nordlicht, wie das Polarlicht auch genannt wird, zu Gesicht bekommen. Ich hatte das Stativ im Dunklen auf dem zugefrorenen See aufgebaut, um Fotos zu machen. Aber das ist bei minus 20 Grad nicht so einfach.

Glück muss man haben

Jetzt liegen wir auf dem Bett in unserer Sky Cabin, wie die Finnen diese verglasten Hütten getauft haben. Es ist kuschelig warm hier drinnen, nicht wie vor drei Tagen draußen auf dem See. Über uns erhebt sich eine Glaskuppel, mit der wir freien Blick auf den nächt- lichen Himmel haben. Die Kopfteile des Bettes lassen sich elektrisch verstellen und die Scheiben sind beheizt. Sonst läge hier ein guter Meter Schnee auf der Glaskuppel. Wir haben unglaubliches Glück: Es ist klar, keine Wolken verdecken die Sicht und es sind starke Sonnenwinde angekündigt. Gegen 20.30 Uhr beginnt das Schauspiel: Grüne Lichter tauchen über dem Horizont auf und bewegen sich in Wellen über den Himmel von Ost nach West. Wie schön das aussieht! Wir sind begeistert.

Kurz nach 22 Uhr ebbt die Farbgebung ab, wir legen uns schlafen. Um Mitternacht werde ich von einem Lichtschein geweckt. Was ist das denn? Der ganze Himmel scheint zu glühen, allerdings in Grün. Unglaublich. Wieder das Stativ aufgebaut, die Kamera herausgeholt. Die Einstellungen kann ich inzwischen auswendig. Ich bin hellwach, könnte den Rest der Nacht weiter fotografieren. Wie hatten unsere Gastgeber so charmant formuliert? Die Sky Cabins seien die schönste Art, schlecht zu schlafen. Oder gar nicht. Aber nach weiteren 90 Minuten habe ich das Gefühl, nun wirklich alle Motive fotografiert und alle Einstellungen getestet zu haben. Zufrieden schlafe ich ein.

Durch das Eis

Begonnen hatte unsere Winterreise in den Norden mit der Fähre von Travemünde nach Helsinki. Es ist Mitte März und die Tage sind schon wieder so lang wie bei uns, ab dem 21. März sogar länger. Bei einer früheren Gelegenheit hatte ich in Helsinki Spikesreifen für unser Auto gekauft. In Deutschland sind Spikes seit Jahrzehnten nicht mehr zulässig, im Norden sind sie im Winterhalbjahr unverzichtbar. Unsere Reise scheint unter einem guten Stern zu stehen: Schon beim Einlaufen nach Helsinki dürfen wir eine Eisfahrt erlebt. Gleichmäßig schiebt sich das Fährschiff durch die Fahrrinne, die Eisbrecher zuvor aufgebrochen haben. Es ist ein sonniger Tag.

Wir sind dienstlich auf Reisen, wollen uns Hotels anschauen, Winteraktivitäten testen und Fotos machen. Deshalb müssen wir auch das Auto nehmen. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre unsere "Tournee" durch den Norden nicht machbar. Auf den ersten 200 Kilometern von Helsinki Richtung Nordosten sind die Straßen noch völlig frei. Wieso habe ich eigentlich Spikesreifen gekauft? Doch dann kommen die ersten vereisten Passagen in schattigen Waldstücken auf dem Weg nach Rantasalmi am Saimaa-See. Je weiter wir nach Norden kommen, um so wichtiger wird die richtige Bereifung.

Finnlands Norden

Wir besuchen eine Lodge in der Nähe von Taivalkoski im Norden Finnlands. Wir kennen sie seit Jahren und waren schon mehrfach im Sommer hier, auch im Spätsommer zum Wandern. Aber im Winter hatten wir es zuvor noch nicht geschafft. Dicke Holzbalken, großzügige Zimmer und in jedem Bad eine eigene Sauna - so stellt man sich Finnland vor.

Vorfreude bei den Hunden

Mit dem Hundeschlitten durch die nordische Winterwelt

Ob wir nicht an einer Hundeschlitten-Tour teilnehmen möchten? Ja, gern. Die Tiere sind so friedlich, das selbst Hunde-Skeptiker sich schnell anfreunden. Bereitwillig lassen sich die Hunde zwischen den Beinen einklemmen, damit man ihnen das Geschirr anlegen kann. Sie springen und jaulen, können nicht erwarten, dass es losgeht. Doch sobald der Schlitten sich bewegt, ist nichts mehr zu hören außer dem Knirschen der Kufen und dem Hecheln der Hunde. Zuerst führt die Fahrt über einen zugeschneiten See, dann hineinin den Wald. Es schneit in dicken Flocken, so dass das Gespann vor mir kaum noch zu sehen ist. Vier Schlitten sind wir insgesamt. Zur Mittagspause im Wald hat der Natur-Guide eine Suppe und ein paar finnische Leckereien mitgebracht. Offenbar hat man uns erwartet, denn aus einem Loch im Schnee taucht eine Art Maus auf. Sie ist überhaupt nicht scheu und versorgt sich mit Brotkrumen. Dass wir hier minus 15 Grad haben, merken wir kaum. Die Thermobekleidung hält warm, die Stiefel haben extra dicke Sohlen. Wir haben zwar unsere eigene Ausrüstung mitgebracht, aber das wäre nicht nötig gewesen. Im Preis sind hier immer die Nutzung von Overalls, Handschuhen und Stiefeln eingeschlossen.

Heimweg mit Hurtigruten

Unsere Fahrt führt uns weiter nach Norden. Bei Rovaniemi machen wir einen kurzen Zwischenstopp beim finnischen Weihnachtsmann. Hier habe ich schon im Sommer "Jingle Bells" gehört. Nein, das ist nicht mein Geschmack: zu viel Kommerz, zu viel Plastik und viel zu wenig echte Atmosphäre.

Über Schweden, wo wir einen Zwischenstopp in Björkliden nahe der norwegischen Grenze machen, führt uns die Reise auf die Lofoten. Hier war ich schon häufig, aber im Winter zuletzt vor 25 Jahren. Die Fahrt gestaltet sich anstrengend, denn es schneit stark. Während wir die Straßen in Finnland und Schweden nahezu für uns hatten, herrscht hier starker Verkehr auf der E10 Richtung Harstad und Lofoten. Also nach norwegischen Maßstäben, nicht nach deutschen. Es ist das erste Mal auf dieser Reise, dass ich beim Auto fahren ein ungutes Gefühl habe: festgefahrene Schneedecke mit glatten Partien, dazu Schneetreiben mit wenig Sicht. Ich bin froh, als wir Svolvær, den Hauptort der Lofoten, endlich erreichen. Unser Hotel liegt direkt am Hafen, nur wenige Schritte vom Anleger entfernt, an dem die Schiffe der Hurtigruten festmachen. Vom Zimmer haben wir einen großartigen Blick über den Hafen und den Ort auf die zackigen Berge. Ich finde die Lofoten im Sommer schon beeindruckend, aber im Winter, wenn die Berge von Schnee bedeckt sind, ist es noch besser. Das Schneetreiben hat aufgehört, der Blick auf die zackigen Gipfel ist frei.

Für den Weg gen Süden nehmen wir das Postschiff von Hurtigruten. Das Auto verschwindet per Lastenaufzug auf dem Ladedeck, während wir nun zwei Tage lang die nordnorwegische Küste von der Wasserseite aus genießen dürfen. Wie erholsam!

Ralf Schröder


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