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Bin ich hier wirklich richtig? Vor mir die Kaikante, hinter mir ein bewaldeter Hang. Andere Menschen: Fehlanzeige. Immerhin gibt es ein Wartehäuschen, das seinen Namen verdient und eine Heizung hat.

Ich bin an Norwegens Westküste unterwegs, um mir Hotels anzusehen. Im Februar und mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Dass man in Norwegen mit der Bahn gut verreisen kann, habe ich schon ausprobiert, aber da ging es von Oslo in die Telemark. Dieses Mal jedoch bin ich mit den Expressbooten an der Westküste unterwegs, die die Inselgemeinden im Atlantik miteinander verbinden.

Zuhause herrscht norddeutscher Winter: Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt und tagelang nur graue, bleierne Wolken. Hier an der Westküste Norwegens bricht gerade die Sonne durch die Wolken, um eine halbe Stunde später von einem Schneeschauer verdeckt zu werden. Am Nachmittag dann strahlend blauer Himmel und schneebedeckte Gipfel am Festland. Dieses Spektakel setzt die karge Landschaft immer wieder neu in Szene, so dass die Minusgrade keine Rolle spielen. Ich hätte nie gedacht, dass die Landschaft und das Wetter so abwechslungsreich sein können!

Hinter der nächsten Landzunge kommt das Expressboot hervor und legt nur Augenblicke später an der Kaikante an. Kurz das Ticket vorzeigen, Gepäck im Gepäckraum verstauen und dann finde ich einen Sitz ganz vorne mit Blick über den Bug. Der Komfort gleicht dem eines deutschen ICE, nur dass hier WLAN, Aussicht und Kaffee besser sind. Mit fast 30 Knoten prescht der Katamaran durch Sunde und über das Meer und verbindet so die größeren und kleineren Gemeinden entlang der Küste.

Mein erstes Tagesziel ist Askvoll, wo ich umsteigen muss. Einen windigen Kai und Minusgrade erwartend, freue ich mich umso mehr über ein beheiztes Wartehäuschen. Es gibt nicht nur Toiletten, sondern sogar offenbar liebevoll gepflegte Zimmerpflanzen. Wäre Umsteigen nur überall so komfortabel wie in Norwegen!

Nachdem ich den Großteil der einstündigen Fährfahrt vom Festland wegen eines Schneeschauers nichts sehen konnte, scheint die Sonne, als ich auf Værlandet ankomme. Vor mir die Insel, darüber blauer Himmel und hinter mir die schneebedeckten Berge auf dem Festland.

Elin, die sich um Buchungen kümmert, holt mich am Kai ab, um mich zum Hotel zu bringen. Sie entschuldigt sich zuerst dafür, dass sie wenig Zeit hätte und dass der Supermarkt (der gleichzeitig als Rezeption des Hotels dient) geschlossen hätte, da um 13 Uhr eine Beerdigung stattfände, zu der alle gingen. Sprachs und drückte mir eine Tüte mit einem belegten Brötchen, etwas zu Trinken und etwas Gebäck in die Hand. Bei nur 200 Einwohnern kennt eben jeder jeden und entsprechend gehen auch alle zur Beerdigung. Und wenn alle auf der Beerdigung sind, kann auch keiner einkaufen.

In viel besichtigten Orten wie Bergen oder Flåm wäre eine Schließung undenkbar, dort haben Sehenswürdigkeiten häufig täglich und ganzjährig geöffnet. So langsam wird mir klar, wie weit ab vom Schuss ich gerade bin.

Mein Zimmer ist eines von nur insgesamt acht, alle haben Panoramafenster, eine Veranda und von allen blickt man direkt aufs Meer. Der Ausblick ist grandios und in einem der Sessel sitzend, lasse ich den Ausblick auf mich wirken. Ich fühle mich, als säße ich am Rande der Welt.

Blick aus dem Zimmer auf Værlandet in Norwegen
Blick aufs Meer in Norwegen

So toll die Aussicht auch ist, ich muss die Umgebung erkunden: Laut Karte gibt es einen Weg entlang der Nordküste, der vielversprechend aussieht. Und in der Tat: tolle Aussicht auf den Horizont wechselt sich mit verfallenen Schuppen und etwas Wald ab. Dazu ordentlich Wind, Sonne und kein Mensch. Erst auf dem Rückweg entlang der (einzigen) Straße begegnen mir ein paar Autos - schließlich waren alle auf der Beerdigung.

Ich mache auf dem Rückweg noch einen Abstecher zum wieder geöffneten Supermarkt, um mir etwas fürs Abendessen zu kaufen. Da alle Zimmer mit einer kleinen Küchenzeile ausgestattet sind, bin ich frei in meiner Planung für den Abend.

Während ich mein Abendessen vertilge und auf das Wasser gucke, flitzt ein Tier über die Felsen im Wasser. Ein Otter?

Und so kann man den Tag ausklingen lassen: Am Ende der Welt aufs Meer gucken und zusehen, wie die schneebedeckten Berge am Festland im letzten Abendlicht verblassen. Dann sieht man nur noch das grün blinkende Seezeichen draußen im Fahrwasser. Rundherum herrscht Dunkelheit.

Am nächsten Morgen muss ich leider schon wieder los. Noch vor dem Sonnenaufgang leuchtet der Himmel in rot, pink und orange. Ich würde lieber hier bleiben.

Elin bringt mich wieder zum Kai, wo die Fähre ans Festland ablegt. Dass ich spazieren war, weiß sie natürlich schon längst. Bevor ich an Bord der Fähre gehe, bekomme ich noch mein Frühstück. Normalerweise wird es aufs Zimmer gebracht, bzw. vor die Tür gestellt, aber wenn man früh los muss, nimmt man es einfach mit auf die Fähre. Aber wie kommen Thermoskanne und Pfandflaschen wieder zurück, frage ich Elin. „Kein Problem, lass sie einfach an Bord der Fähre stehen, die Besatzung bringt sie beim nächsten Anlauf zurück an Land.“ Die Wege hier sind kurz.

In Askvoll muss ich nur kurz warten, dann kommt schon der Katamaran, der mich nach Bergen bringt. Schneller geht es nicht: zwei Stunden und 50 Minuten nach Bergen – eine Strecke, für die ich mit dem Auto etwa vier Stunden brauchen würde, wenn das Wetter mitspielt. Ich hole mir noch einen Kaffee und überlege, wie ich es schaffe schnellstmöglich zurückzukommen.

 

Max Schröder

 

Diese Reise fand im Februar 2020 statt. Kurz darauf begannen sich Europas Grenzen zu schließen. Wir hoffen, dass diese und viele andere Reisen bald wieder möglich sein werden.

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