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Der Jakobsweg nach Santiago de Compostela steht schon ganz lange auf der Liste meiner Wunschziele. Nicht, dass ich pilgern wollte. Aber es gibt nur noch wenige weiße Flecken auf meiner persönlichen Europakarte und Nordspanien war solch ein Fleck. Ohne Grund, es hat sich einfach nie ergeben. Also haben wir uns Ende April auf die Motorräder geschwungen und sind in zwei Tagesetappen nach Spanien gefahren. Am ersten Tag bis Beaune in Burgund, am zweiten Tag bis in die Nähe von Perpignan. Am dritten Tag haben wir die spanische Grenze überquert, auf der alten Küstenstrecke bei Portbou, die ich schon ein paar Mal gefahren bin und immer noch schätze.

Die spanische Seite der Pyrenäen glänzt mit überwiegend sehr gut ausgebauten Straßen und einer tollen, manchmal sogar spektakulären Streckenführung. So viele Kurven, wie wir an den ersten beiden Tagen in den Pyrenäen gefahren sind, habe ich schon lange nicht mehr unter die Räder genommen. Dabei sehen die Berge nicht so beeindruckend aus, eher wie Mittelgebirge. Die erste Nacht in den Pyrenäen verbringen wir noch in Katalonien, in einem kleinen Bergdorf mit Blick auf die Serra del Cadi, eine imposante Felswand. Die Fenster in den zum Hotel umgebauten Bauernhof sind klein wie Schießscharten ­ die traditionelle Bauweise hält auch strengen Wintern stand.


Die Jakobsmuschel kennzeichnet den Jakobsweg

Zu viele Kurven, um schnell unterwegs zu sein

Die benachbarte Provinz heißt Aragon. Eigentlich interessieren mich diese regionalen Grenzen nicht. Aber wir müssen uns damit auseinandersetzen, weil die Provinzstraßen an jeder "Gren­ ze" die Nummer wechseln. Nur die Nationalstraßen sind durchgängig nummeriert. Und so halten wir uns zunächst einmal auf der N260, passieren La Seu d'Urgell mit seiner Kathedrale und den Befestigungsanlagen in einem weiten Tal, bevor es in schönen Kurven durch mehrere Schluchten geht. Am Abend schaue ich auf den Tacho: Das waren nur 270 Kilometer. Aber die kurvenreiche Strecke hat viel Konzentration erfordert, wir sind geschafft.

Der nächste Tag nach Estella ist entspannt, wir gönnen uns noch den einen oder anderen Abstecher in ein Nebental und steuern unser Ziel auf Landstraßen an. Das Hotel stellt sich als sehr originell heraus: Es handelt sich um eine ehemalige Mühle. Die Zimmer befinden sich im einstigen Speicher, in der Bar münden die Rohre, aus denen früher das frisch gemahlene Mehl schoß. Der Garten am Mühlbach ist lauschig, aber das Hotel selbst ziemlich stylish. Schilder zeigen uns, dass der Jakobsweg auch durch Estella führt. Bis Burgos werden wir nun seinem Verlauf folgen, allerdings nicht genau, schließlich wollen wir die schönsten Motorradstrecken finden.

Burgos liegt auf einem Hochplateau von rund 850 Metern Höhe und ist die Hauptstadt von Kastilien­León. Die prächtige Kathedrale ist schon von weitem zu sehen. Sie dient uns als Orientierungspunkt, denn unser Hotel liegt im Zentrum in der Fußgängerzone. Mehrfach war uns vorher versichert worden, dass die Zufahrt erlaubt ist ­ bloß meinem Navi hat das keiner gesagt. Es lässt uns durch Gassen oberhalb des Hotels kreisen, bis ich die Geduld verliere.

An der Hauptstraße stehen Schilder und denen folge ich. Ganz einfach. Zum Glück ist es noch vor 17 Uhr und die Fußgängerzone ist leer. Siesta. Die Geschäfte haben noch geschlossen. So gelangen wir zum Hotel und erhalten einen Platz in der Hotel­eigenen Tiefgarage. Schnell umziehen und den milden Frühlingstag genießen: Kurzärmelig gehen wir Richtung Kathedrale. Aber die Spanier scheinen es anders zu sehen: Sie tragen noch Daunenjacken und Winterkleidung.


Die Kathedrale von Burgos

Die Entdeckung einer Perle

Burgos ist eine prachtvolle Stadt. Das Stadttor führt von der Kathedrale aus der Altstadt hinaus auf die Flaniermeile: die Promenade am Ufer des Rio Arlanzon. Aber wir wollen weiter. Ich hatte mir anhand der Karte eine Route ausgeguckt, die vielversprechend aussah. Wir hatten uns vor der Reise einen guten Nordspanien­Reiseführer besorgt ­ aber wer schafft schon über 600 Seiten Lektüre vor der Reise? Ja, es gab drei Seiten zu den Picos de Europa, aber ich muss zugeben, dass ich erst vor Ort verstanden habe, wie großartig diese Region ist. Kein Wunder, dass große Teile als Nationalpark unter Schutz gestellt sind. Rund 200 Gipfel mit zweitausend oder mehr Metern Höhe lassen ahnen, dass es dort kurvig zugeht.

Es macht Sinn, sich vom Inland den Picos zu nähern. Burgos hat ein Kontinentalklima mit kalten Wintern und trockenen, heißen Sommern. Einige der Gipfel sind jedoch nur zwanzig Kilome­ter vom Meer entfernt. Die Meerseite hat ein maritimes Klima, von der Temperatur her ausgeglichen, aber deutlich feuchter. Wir starten über Aguilar de Campoó ins Vergnügen. Mit erstklassigem Asphalt versehen, schraubt sich die Straße in die Höhe bis zum Aussichtspunkt Mirador de Piedrasluengas. Und erst dort oben ­ mit Blick auf die umliegenden Gipfel ­ verstehe ich, was für eine Perle für Motorradfahrer dieses Faltengebirge ist. Es ist mitten in der Woche, Vorsaison, und wir haben die Straßen fast für uns. Es passiert nicht so oft, dass ich vor Freude am Fahren vor mich hin summe auf dem Motorrad. Fröhlich ziehe ich am Gashahn der Stelvio und es stört mich auch nicht mehr, dass sich die Schelle am Schalldämpfer verabschiedet hat. Die Guzzi ist soundtechnisch ja von Natur aus kein Kind von Traurigkeit, aber in der Hotelgarage von Burgos hatte ich kurz befürchtet, das alte Gemäuer könnte unter der Schallwelle einstürzen. So ist das eben, wenn man Zweizylinder mit Vibrationen bevorzugt: Hin und wieder fällt halt was ab.


Kurven satt

An die Küste

Wir übernachten in der Nähe von Oviedo, um am folgenden Tag in Richtung Santiago de Compostela aufzubrechen. Je weiter wir nach Westen kommen, um so weniger spannend werden die Straßen. Oder sind wir nur von den Pyrenäen und den Picos so verwöhnt? Entlang der Straße sehen wir nun immer öfter Pilger, die den Weg zu Fuß machen. Auch Santiago ist voll von Pilgern. Abends an den Nachbartischen wird Deutsch, Englisch und Holländisch gesprochen. Wären da nicht die ganzen Studenten ­ es gibt eine Universität in Santiago ­ würde die Stadt wohl nur aus Pilgern und Touristen bestehen.

Wir haben hier zwei Nächte eingeplant, in der Erwartung prächtiger Bauwerke. Ich sehe davon wenig, denn ich nutze den freien Tag, um ins 80 Kilometer entfernte À Coruña zu fahren. Dort gibt es einen Aprilia­-Guzzi-Händler und die flinken Jungs von der Werkstatt reparieren meinen Auspuff, damit ich nicht ständig wie ein startender Hubschrauber klinge. Die Fahrt zurück nach Osten führt uns nach Gijon an die Küste. Die Hafenstadt hat ein ganz anderes Flair als die Häfen an der Mittelmeerküste. Nicht so lieblich, nicht so verspielt. Sachlich und doch schön. Von der ehemaligen Festung hat man einen weiten Blick über den Golf von Biskaya. Der Rezeptionist empfiehlt uns ein Fischrestaurant am Hafen, das bei Einheimischen beliebt ist. Volltreffer: Zu moderaten Preisen essen wir sehr leckeren Fisch. Beschwingt spazieren wir nach einem guten Weißwein zu später Stunde durch die Altstadt zurück zum Hotel.

Die Küstenstraßen haben es in sich: Entweder sind sie so klein, dass wir gar nicht voran kommen. Oder wir müssen auf die vierspurige Autovia del Cantabrico ausweichen. Wir suchen den Kompromiss und verlassen die Autobahn so oft es geht. Natürlich wollen wir noch einmal zu den Picos, dieses Mal von der Meerseite her. Und das Baskenland mit seiner ausgezeichneten Küche erwartet uns auch noch. Die wunderbaren Kurven nicht zu vergessen. Unglaublich, dass dieses tolle Revier bisher unter deutschen Motorradfahrern so wenig bekannt ist.

Ralf Schröder

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