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Norwegen – Von der Küste in die Berge

Raus aus dem Büro – rauf aufs Motorrad

 Es gibt wirklich schlimmere Din­ge als eine Dienstreise mit dem Motorrad - und trotz­ dem kommt gerade keine Vor­freude auf. Der Schreibtisch liegt voll, der Kopf ist voll und ich kann nicht ab­schalten. Wieder mal in Hektik die Kla­motten packen, noch mal "schnell" ins Büro mit dem fertig gepackten Motor­rad und dann aber nix wie ab auf die Autobahn, schließlich müssen wir die Fähre abends in Hirtshals bekommen.

Nein, die Autobahn durch Däne­mark ist kein Highlight. Wenn ich mir mehr Zeit nehmen würde, könnten wir Landstraßen fahren. Es gibt ja durch­aus ein paar Möglichkeiten, sich auch die Fahrt durch Dänemark nett zu ge­stalten. Immerhin: Ich fahre Motorrad. Und dabei hört der Kopf auf zu arbei­ten. Je weiter wir uns dem Fährhafen Hirtshals nähern, umso seltener den­ke ich ans Büro. Beim Ablegen an Bord von Fjord Line am Abend kommt so langsam etwas Stimmung auf, das le­ckere skandinavische Buffet schmeckt und wir fahren in den Sonnenunter­ gang. Schön kitschig, aber funktioniert immer als Stimmungsaufheller.

Am nächsten Tag

 Am nächsten Morgen genießen wir die Fahrt mit der Fähre durch die Insel­welt zwischen Stavanger und Bergen, wo das Schiff mittags ankommt. Als erstes müssen wir gleich mal zum ört­lichen BMW­-Händler, weil mir das Ab­blendlicht ausgefallen ist. Einmal Fin­ger verknoten, kaputte Birne raus, neue H7 rein und die Finger wieder entkno­ten. Jetzt können wir auch wieder Tun­nel fahren. Fotowetter sieht anders aus, aber es ist trocken. So machen wir uns auf den Weg an den Hardangerfjord. Am Wasserfall Steindalsfossen haben sie einen neuen Parkplatz gebaut und ein Besucherzentrum, aber der Kaffee ist immer noch so schlecht wie früher. "Wenn ich die grausliche Brühe in den Bach kippe, führt das bestimmt zu ei­nem großen Fischsterben", denke ich, während meine Begleitung ihren Be­cher schon leer hat - ohne mit der Wim­per zu zucken. Wir mischen uns unter die Bustouristen, denn ein begehbarer Wasserfall ist auch in Norwegen sel­ten. Man kann etwas oberhalb hinter den herabstürzenden Wassermassen entlang gehen. Hier sind alle im Selfie­ Fieber, die besten Plätze am Geländer hinter und neben dem Wasserfall sind schwer begehrt.

Die alten Straßen sind die besten

 Der Hardangerfjord ist einer der milden Sorte, nicht so dramatisch wie der Lysefjord oder der Geirangerfjord, nicht so imposant wie die Arme des Sognefjords. Aber an seinen Hängen stehen Apfelbaum­-Plantagen, hier wachsen Kirschen. Das Klima ist mild und die nach Süden schauenden Hänge des Fjords sind ideal für den Obstan­bau. Aber für die alte Reichsstraße 7 ist trotzdem nicht viel Platz geblieben: Schmal schlängelt sie sich am Fjord­ufer entlang und zahlreiche Bremsspu­ren an den Ausweichstellen zeigen, dass nicht alle Bus­ und LKW­-Fahrer genügend Über­sicht haben, um mit dieser anspruchs­vollen Straße klar­ zukommen.

Ich mag die alten Straßen in Nor­wegen, wenn statt Leitplanken be­mooste Steine den Asphalt säumen, wenn die Straßenfüh­rung anspruchsvoll wird und man nicht weiß, was nach der nächsten Kurve kommt. Aber die Einheimischen möch­ten gut ausgebaute Straßen und schnelle Verbindungen haben. Verste­he ich ja. Aber mit dem Motorrad ma­chen die alten Straßen mehr Spaß. Vor Voss haben sie auf der 13 einen neu­en, schicken Tunnel gebaut. Ich biege lieber ab und fahre die alte Strecke vor­bei am Wasserfall Skjervefossen. Im­merhin wird sie als touristische Stre­cke instandgehalten. Oben am Aus­sichtspunkt wundere ich mich noch, warum alle Besucher - es sind eher we­nige -­ lachend aus dem Klo wieder raus­ kommen. Bis ich selbst hinein gehe. Holla! Das ist die erste öffentliche Toi­lette mit einem Glasboden über dem Gebirgsbach. Und freier Aussicht durch eine Glaswand über den Bach in den Wald am anderen Ufer. Vermutlich ist dies die meistfotografierte Toilette Nor­wegens. Ob hier wohl die durchschnitt­liche Aufenthaltsdauer höher ist als in anderen Räumlichkeiten dieser Art? Ach wie schön: Beim Wort Sitzung muss ich nicht mehr ans Büro denken! Und so rollen wir weiter über Voss in Rich­tung Sognefjord.

Am Fähranleger in Vangsnes steht wie jedes Jahr im Sommer ein Junge und verkauft Himbeeren. Klar nehme ich eine Schale und versenke sie vorsichtig im Seitenkoffer. Aber dieses Jahr hat er auch Honig und zwar Himbeer­honig. Dafür bekommt er noch ein paar Kronen extra. Am anderen Ufer fahren wir das Gaularfjell hoch, eine meiner liebsten Serpentinenstre­cken in Norwegen. In schönen Schwüngen geht es hoch, und oben wartet der neue Aussichtspunkt. Ein überdimen­sioniertes Dreieck wurde in den Felsabsatz gebaut. Sieht schick aus, wie sich die Spitze über den Abgrund schiebt.

 In Loen haben wir Pech mit dem Wetter: Es kübelt un­ablässig. Eigentlich wollten wir hier eine Wandertour ein­schieben, man soll von den umliegenden Bergen einen grandiosen Blick auf den Fjord haben. Aber die sind in fet­te Wolken gehüllt. So nutze ich den Tag, um am Laptop ein paar geschäftliche Dinge zu erledigen, die gemachten Fo­tos zu begutachten und zu sortieren. In einer Regenpause reicht es sogar zu einem Spaziergang. So ein Tag "off" hat auch was.

Fosnavåg ist nach deutschen Maßstäben ein Dorf, für Norwegen aber schon eine Kleinstadt. Fosnavåg liegt in "Kyst­-Norge", in Küsten-­Norwegen. In den 1970er Jahren begann die norwegische Regierung mit dem Bau von Brücken und Tunneln, um die Außenposten an der Küste an die neuen Verkehrsadern im Inland anzubinden. Das ist bei dieser un­glaublich langen Küstenlinie mit tausenden von Inseln eine Mammutaufgabe. Das ambitionierte Ziel ist eine fährenfreie Küstenstraße. Was ich schade finden würde, weil die Fähren für mich dazu gehören. All das geht mir durch den Kopf, während ich durch den unterseeischen Tunnel fahre, der bei Vol­da die Insel Hareid mit dem Festland verbindet. Der Eiksundtunnel ist knapp acht Kilome­ter lang und mit 287 Metern der tiefste Straßentunnel der Welt. Es geht ziem­lich stark runter. Damit nicht gerast wird, steht bergab alle 200 Meter ein Blitzer. Bergauf kann man Gas geben. Der 2008 eröffnete Tunnel wurde über Maut finanziert. Als er bereits 2014 ab­bezahlt war, wurde die Maut wieder ab­geschafft, wie es in Norwegen üblich ist.

Die Vogelinsel Runde wollen wir noch besuchen, bevor wir nach Fosna­våg fahren. Die kleinen Inseln hier drau­ßen sind mit Brücken untereinander verbunden und je weiter man raus ins Meer fährt, umso kleiner sind die Brücken. Die letzte Brücke nach Runde ist einspurig und hat ihre Ausweichstelle oben in der Mitte auf dem höchsten Punkt. Pro Richtung passen hier zwei PKW rein oder ein kleiner Lastwagen. Aber da vor allem Touristen zur Voge­linsel Runde fahren, verstehen sie nicht immer das Prinzip. Das führt dann zu lustigen Rangiermanövern aus denen man sich als Motorradfahrer mangels Rückwärtsgang besser raushält. Im Be­sucherzentrum von Runde trinken wir noch einen guten Kaffee, bevor wir nach Fosnavåg fahren. Ein kleiner Ort, der sich schick gemacht hat. "Kyst­Norge" hat sich gemausert, die Häuser wirken propper und gepflegt. Der Wohlstand ist zurück, nicht zuletzt wegen der Werf­ten und Zulieferer, die hier auf den In­seln sitzen.

Für den Rückweg habe ich mir noch ein ganz besonderes Hotel ausgesucht. Es liegt im Gebirge Jotunheimen und ist nur über eine zwanzig Kilometer lange Schotterpiste zu erreichen. Zu­vor müssen wir aber noch über die Straße bei Øvre Årdal, die drei unbe­leuchtete Tunnel mit Kurve im Tun­neleingang bereit hält. Hier habe ich vor vielen Jahren beinahe eine ganze Gruppe Motorräder in die Wand ge­setzt, weil wir bei gleißendem Sonnen­schein mit Sonnenbrillen in den Tun­nel gefahren sind. Und dann kam die Kurve, 90 Grad nach links. Ich weiß bis heute nicht, wie wir damals heil raus­ gekommen sind. Die Schotterpiste oben zum Hotel ist in gutem Zustand, kein Problem für die Multistrada und die große GS. Um­geben von Bergen kommen wir nun doch noch zu dem geplanten Wander­tag. Wie immer brauchen wir länger als auf den norwegischen Schildern an­gegeben ist. Ich schiebe die Schuld auf meinen Schreibtisch, der hält mich viel zu oft fest. Und dieses Mal spielt das Wetter mit: Sonne und Wolken wech­seln sich ab, während wir von einem kleinen Gipfel auf die umliegenden Ber­ge und den Bygdin-­See schauen.

Ralf Schröder

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