Mit dem E-Auto bis zum Polarkreis - ein Erfahrungsbericht
Einmal durch Schweden zum Polarkreis und durch Norwegen wieder nach Süden zurück – das sind gut 3.730 km Fahrstrecke in 13 Tagen, die durch dünn besiedelte Regionen führen. Kann man das mit einem e-Auto fahren? Gibt es genügend Ladepunkte unterwegs? Was, wenn eine Ladestation ausfällt? Ist die Reise dann zu Ende?
Wir haben es im August 2025 mit einem Ioniq 5 ausprobiert.
Unsere Route begann und endete in Göteborg. Nach Norden ging es abseits der großen Hauptstraßen über Filipstad, Idre Östersund und Klimpfjäll in Richtung des schwedischen Fjälls und schließlich bis nach Arjeplog. Den Vildmarksväg sind wir ebenso gefahren wie die geschotterte Piste Flatruet – also auf richtigen Nebenstrecken. Nördlicher Wendepunkt war Bodø in Norwegen, von wo aus wir entlang der Küste über Sandnessjøen, Namsos, Røros und Elgå wieder nach Schweden gefahren sind. Auch hier haben wir die E6 und ihre vielen Ladestationen ignoriert und sind der schöneren Küstenstraße 17 gefolgt.
Unsere Route haben wir ganz danach geplant, welche Routen wir fahren wollten, nicht nach der Ladeinfrastruktur. Ganz ohne Planung wollte ich nicht losfahren und habe vor der Abreise überlegt, welche Straßen ich fahren möchte und habe dann nach Ladepunkten recherchiert.
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: entweder man lädt über Nacht am Hotel oder man nutzt Schnellladepunkte unterwegs. Eigentlich wären die Ladepunkte am Hotel die ideale Lösung, da man morgens einfach mit vollem Akku losfährt und am nächsten Hotel über Nacht wieder lädt und sich tags über keine Gedanken um den Ladestand machen muss .(Der Ioniq 5 hat im Sommer in Nordeuropa eine Reichweite von 600 km pro Ladung und keine Etappe war länger als 390 km.)
In der Realität haben wir fast nur Schnellladesäulen genutzt, auch wenn die meisten Hotels Ladepunkte bieten. Das liegt zum Einen daran, dass fast jedes Hotel eine andere App erfordert, um just die Ladesäule dieses Hotels zu nutzen zu können und ich keine Lust habe, jedes Mal eine neue App zu installieren und zum Anderen an den teils hohen Preisen, die Hotels verlangen. Und diese Preise kann man vorab kaum recherchieren. Zumal die Ladepunkte von Hotels unserer Erfahrung nach schlechter gewartet werden als kommerzielle Schnellladepunkte und auch mal ausfallen können.
Da ist es viel bequemer sich auf zwei bis drei größere Anbieter zu konzentrieren. In unserem Fall waren dies die Ladesäulen von CircleK und das Roaming-Netzwerk von Virta, über die wir den Großteil der Ladevorgänge abgewickelt haben.
In unserem konkreten Fall hat es ganz wunderbar funktioniert. Meine größten Bedenken galten den Nebenstrecken in Schweden, aber zu unserer Überraschung haben entlang der Strecke zufällig noch deutlich mehr Schnelllader gefunden und genutzt, die ich vorher nicht auf dem Schirm hatte.
Während CircleK und – wo vertreten – Ionity sich in Schweden vor allem auf die Ballungszentren und Hauptstraßen konzentrieren, decken die Tankstellenkette OKQ8 und Vattenfall eher die Provinz ab. In Norwegen zwischen Bodø und Namsos hat das Fylke Nordland das eigenes Ladenetzwerk LAD OPP! gefördert, welches gezielt die Lücken füllt, welche die großen Ketten in der Provinz abseits der Hauptstraßen lassen.
Wir haben während der Reise an zwölf verschiedenen Orten übernachtet und nur in einem Fall haben wir über Nacht am Ladepunkt des Hotels geladen, ansonsten haben wir ausschließlich Schelllader genutzt. In den meisten Fällen gab es in der Nähe des Hotels einen Schnelllader, an dem wir das Auto geladen haben, derweil wir einen Abendspaziergang in der Umgebung gemacht haben.
Ganz reibungslos und so wie vorab geplant hat es natürlich nicht geklappt. Ein Ladepunkt in Sandvika auf dem Weg von Östersund nach Klimpfjäll war tatsächlich nur mit einer physischen Ladekarte zu benutzen, die wir natürlich nicht hatten. In diesem Fall haben wir per Zufall 80 km weiter in Stora Blåsjön eine Schnellladesäule mit 150 kW entdeckt – und dabei wird es selbst in Schweden kaum einsamer als Stora Blåsjön. Außerdem wurden an unserem Hotel in Arjeplog gerade alle Ladepunkte erneuert, so dass wir hier nicht laden konnten. In diesem Fall haben wir die Ladestation von Ionity nutzen können. So haben wir eben noch einen schönen Abendspaziergang am Seeufer gemacht. Arjeplog profitiert in dieser Hinsicht von der massiven winterlichen Präsenz von Autotestern.
Mit ein wenig Planung, bei der wir gerne behilflich sind, kann man bedenkenlos mit einem e-Auto bis an den Polarkreis und darüber hinaus fahren. Die Dichte an Ladepunkten ist auch in wirklich dünn besiedelten Regionen ausreichen hoch, so dass man im Falle eines ausgefallenen Ladepunktes meist eine Alternative findet. Ich persönlich würde immer so laden, dass das Auto genügend Reichweite übrig hat, um im Falle von Problemen auch zum übernächsten Ladepunkt fahren zu können. Das Ladenetz gibt solch ein Ladeverhalten auf jeden Fall her.
Max Schröder